Zwischen Rausch, Gewalt und Untergang

Bregenzer Festspiele: Othmar Schoecks “Penthesilea” als Oper im Haus 2027.
Bregenz In wenigen Tagen beginnen die Proben für die Oper im Festspielhaus 2026, Leoš Janáčeks “Die Ausflüge des Herrn Brouček”. Gleichzeitig werfen die Bregenzer Festspiele einen Blick in die Zukunft: Im Festspielhaus ist 2027 Othmar Schoecks spätromantisch-expressionistischer Operneinakter “Penthesilea” nach Heinrich von Kleists gleichnamigem Trauerspiel zu sehen. Im Jahr des 250. Geburtstags des Dichters bringt das Festival das selten gespielte Werk neu auf die Bühne. Premiere ist am 21. Juli 2027.
Die Amazonenkönigin Penthesilea verliebt sich im Trojanischen Krieg in den griechischen Helden Achilles. Doch das Gesetz ihres Volkes verlangt, dass sie den Geliebten im Kampf besiegt, bevor sie ihn zu ihrem Gefährten machen darf. Ein verhängnisvolles Missverständnis setzt eine Spirale aus Leidenschaft, Gewalt und Wahnsinn in Gang, die in einer der erschütterndsten Szenen der Opernliteratur endet: In rasender Ekstase zerfleischt Penthesilea den geliebten Achilles – und geht schließlich selbst zugrunde.
Ein Klangkosmos voller Spannung und Zerrissenheit
Mit dramatischer Wucht zwischen Spätromantik und freier Tonalität schuf der Schweizer Komponist Othmar Schoeck 1927 ein ebenso radikales wie außergewöhnliches Musiktheaterwerk nach Heinrich von Kleists gleichnamigem Trauerspiel. Penthesilea ist ein hochintensiver Opernrausch von kaum 80 Minuten Dauer. Das durchkomponierte Werk bewegt sich stetig zwischen Sprechgesang, Melodrama und Gesang und entfaltet eine archaisch-düstere Atmosphäre von enormer emotionaler Kraft. Auch die Instrumentation ist außergewöhnlich: viel Schlagwerk, zehn Klarinetten, Klavier und nur wenige Violinen erzeugen einen dunklen, fiebrigen Klangkosmos voller Spannung und innerer Zerrissenheit.
Regie führt die französische Regisseurin Mariame Clément, die bei den Bregenzer Festspielen bereits 2019 Jules Massenets Don Quichotte im Festspielhaus inszenierte. Bühne und Kostüme gestaltet die Deutsche Julia Hansen. Die musikalische Leitung liegt bei der estnischen Dirigentin Kristiina Poska. Die Titelpartie übernimmt die brasilianisch-amerikanische Mezzosopranistin Melissa Zgouridi. Es spielen die Wiener Symphoniker.