Ein Sonntagmittag im Seniorenheim

Leserbriefe / 29.10.2012 • 20:13 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Fünf vor halb 12, gleich gibt es Mittagessen. Herr H. ist schon wieder ungeduldig und das lässt er die Pflegerinnen spüren. In seinem früheren Unternehmerleben war Zeit für ihn wohl Geld und die Sekretärinnen noch folgsames Dienstpersonal. Das Essen kommt, der Koch freundlich wie immer. Sonderwünsche werden geduldig erfüllt, was auch mal etwas dauert. Frau T., nach einem Schlaganfall gehandikapt, versucht es bei „Rindsvögele“ und Püree mit „Fingerfood“. Das Tischtuch bekommt einen künstlerischen „touch“. Eine Pflegerin kann das Schlimmste verhindern. Frau K. hustet heftig, der Schluckreflex funktioniert nicht mehr so wie früher. Frau P., schwer dement, dämmert vor sich hin. Sie verträgt das Essen nur mehr püriert, wegen der fortgeschrittenen Parkinson­erkrankung muss ihr jeder Bissen mühsam eingegeben werden. Zwischendurch klingelt der bettlägerige Herr K, sein Hygieneschutz ist voll. Herr H. übergibt sich wieder einmal, zu schnell gegessen. Es braucht viel Geduld und Liebe, die „Bescherung“ wieder wegzuputzen. Frau D. bedankt sich für das gute Essen und geht zufrieden auf ihr Zimmer, auch das gibt es. Bei all der „action“ irgendwie verständlich, dass sich nur wenige Angehörige zur Essenszeit blicken lassen. Und ich, ich bekomme gelegentlich einen Groll auf all diejenigen, welche große Töne spucken und vom Pflegealltag keine Ahnung haben.

Dr. Klaus König,

Hofsteigstraße 8, Lauterach