Fußfessel

Leserbriefe / 08.11.2012 • 21:21 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Klar ist, dass NEUSTART nicht in der Rolle der „verurteilenden“ oder „entscheidenden“ Instanz tätig wurde. Unsere Aufgabe ist es, über das Vorliegen der gesetzlich festgeschriebenen Voraussetzungen für den elektronisch überwachten Hausarrest der Anstaltsleitung zu berichten. Diese trifft dann die Entscheidung. Vor dieser Entscheidung gibt es einen Instanzenzug, der die Einhaltung der Gesetze prüft. So ist Kritik am Straf­urteil selbst bzw. an der Entscheidung, einen elektronischen Hausarrest anzuordnen, an NEUSTART falsch adressiert. Unser Anliegen ist, gerade aus unserer jahrelangen Erfahrung in der Arbeit mit Kriminalitätsopfern, den Rückfall von Straftätern und damit neue Opfer zu verhindern. Die bloße Aburteilung und Inhaftierung von Straftätern alleine ist nicht der erfolgversprechendste Weg, um Rückfälle zu vermeiden. Hier braucht es ein Mehr an Betreuung, Kontrolle und damit Nachhaltigkeit der Strafmaßnahme, um wirksam zu sein. Einer unserer Arbeitsgrundsätze lautet: „Wir verachten die Tat, aber nicht den Täter.“ Weder Verständnis für die Delikte noch Missachtung der Opferschicksale ist aus unserer jahrzehntelangen Arbeit ableitbar.

Wer glaubt, mit der Inhaftierung der Täter wären die Probleme der Opfer gelöst, verkennt die Situation der Opfer. Es braucht hier Hilfe für ihre konkrete Lebenssituation. Die Zufriedenheit der von uns betreuten Opfer mit unserer Arbeit und die vergleichsweise geringen Rückfallquoten bestätigen uns, auch künftig so unseren Beitrag zum Opferschutz zu leisten. Im Auftrag der Justiz und der Jugendwohlfahrt betreuen wir in Vorarlberg rund 2000 Menschen pro Jahr – Opfer und Täter.

Winfried Ender, Neustart Vorarlberg, Römerstrasse 1-3, Bregenz