Haubenküche und Fast-Food-Tempel

Leserbriefe / 11.11.2012 • 20:32 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ich habe mich sehr über die vielen Hauben gefreut, die unsere Spitzenköche laut VN erzielen konnten. In einem anderen Bereich herrscht jedoch meines Erachtens ein großer Mangel. Wir haben zu wenige echte Familienrestaurants. Weshalb denn belagern viele Familien die Fast-Food-Tempel? Nicht nur wegen der Werbung oder weil ihnen „gesundes Essen“ egal ist. Dort ist das Essen für eine Familie nicht nur günstiger, sondern auch entspannter und ohne böse Blicke anderer Gäste, wenn die Kleinen Lärm machen oder patzen. Zudem ist in vielen Restaurants die Auswahl an Kindergerichten meist auf Würstchen, kleine Schnitzel und Pommes beschränkt und kaum „gesünder“ als Fast Food. Es braucht richtige Kinderspeisekarten und Köche, die wissen, wie man zehn oder zwölf Hauptgerichte speziell für Kinder kocht. Kinder müssen ein Gericht vier- bis sieben Mal gekostet haben, um ihren Geschmackssinn daran zu gewöhnen, und diese Versuchsphasen erfordern von den Eltern viel Geduld und Frustrationstoleranz. Ich konnte in letzter Zeit mehrmals Eltern mit Kindern in Restaurants beobachten, wie sie geduldig die Kleinen von allen Tellern probieren ließen. Ich möchte mehr Eltern ermutigen, ihren Kindern auch auf diese Art die Welt der unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen zu zeigen, ohne den Zwang, dass aufgegessen werden muss.

Angelika Diem, Untersteinstraße 5, Bludenz