Gesamtschul-Visionen

Leserbriefe / 22.11.2012 • 21:49 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

2014: Die rot-grüne Regierung beschließt mit blauer Unter­stützung über die Köpfe der Gewerkschaft hinweg die Gesamtschule. Linke Gleichmacher und neoliberale Populisten liegen sich jubelnd in den Armen. 2015: Unterrichtsminister Walser setzt die Hardcore-Variante der Gesamtschule durch. „Gemeinsame Schule ohne innere Differenzierung“ heißt es im Edeljargon. Das erhöhe die Chancen der sozial Benachteiligten, orakeln selbst ernannte Bildungsexperten und trommelt es, obwohl nie bewiesen, aus allen medialen Rohren. 2016: Hochbegabte und weniger Begabte, Leistungsorientierte und Lernunwillige, Schulfähige und Schulunfähige sitzen zusammen in einer Klasse.

Was in der Theo­rie hip und trendig klang, erweist sich in der Praxis als nicht durchführbar. Zu inhomogen sind die Klassen. 2020: Die PISA-Ergebnisse sind desaströs. Unterrichtsminister Walser tritt zurück und wird Direktor einer Privatschule. 2022: Dieter Egger verharrt im ideologischen Exil. Mit Michael Ritsch wirbt er für die Gesamtschule der Drei- bis 16-Jährigen. 2030: Die Gesamtschulhysterie ist vorbei. Die Schulen sind zu Aufbewahrungsstätten verkommen. Elternverbände und Wirtschaftskammer fordern Reformen. Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Die Verstaatlichung der Erziehung hat den Staat an den Rand des finanziellen Kollaps gebracht. 2040: Mit finanzieller Unterstützung der Wirtschaftskammer feiert das österreichische Gymnasium seine Auferstehung. Der einzige Unterschied zum jetzigen Gymnasium: Aufnahmekriterium ist nicht die Leistung, sondern das Einkommen der Eltern.

Mag. Wilfried Hämmerle, Martin-Kink-Straße 40, Lustenau