Qualitätstouris­mus überrollt Lebensqualität

Leserbriefe / 22.11.2012 • 21:51 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Hilferuf der L-200-Anrainer in Alberschwende führt die Schattenseiten des überbordenden Wintertourismus drastisch vor Augen. Der kopf- und rücksichtslose Ausbau der Skigebiete geht über kurz oder lang zu Lasten von Natur und Mensch. Der Alpenschutzverein für Vorarlberg und weitere Umweltorganisationen haben immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Erweiterung des Pistenangebots unweigerlich mehr Verkehr nach sich zieht. Leider scheint diese Einsicht noch nicht bis zu Politik und Behörden durchgedrungen zu sein. Die Verbindung Mellau–Damüls hat dem vorderen Bregenzerwald während des Winters einen Zuwachs an Verkehr beschert.

Die L-200-Anrainer leiden jetzt unter den Folgen dieser Persilschein-Politik. So manch verkehrsgeplagter Wälder wird sich nun wie Goethes Zauberlehrling denken: „Die Geister, die ich rief, werd’ ich nun nicht los.“ Zur Freude der Liftbetreiber rollt auf den Wald in Zukunft noch mehr Verkehr zu. Denn mit der Realisierung der Verbindung Lech–Warth werden zusätzliche Tagestouristen in den Bregenzerwald gelockt. Wer sich von der geplanten Karten-Kontingentierung einen abschreckenden Effekt erwartet, wird bald eines Besseren belehrt. Viele kilometerhungrige Pistenflitzer werden trotzdem auf gut Glück in den Wald anreisen. Die L-200-Anrainer und die Umweltqualität bleiben dabei auf der Strecke. Vorarlberg hat sich den Qualitätstourismus auf die Fahnen geschrieben. Nur ist halt ein Intensivtourismus, der die Natur nicht schont und auf die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung wenig Rücksicht nimmt, kein Qualitätstourismus.

Markus Petter, Alpenschutzverein für Vorarlberg, Am Kehlerpark 1, Dornbirn