Voyeuristischer Blick durchs Schlüsselloch

Leserbriefe / 23.11.2012 • 21:03 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wie die gegenwärtige Affäre um zwei US-Generäle wieder einmal zeigt, geben die USA ein moralisches Maß mit puritanischen Standards vor, die sich auf die meisten Menschen der heutigen Zeit schwerlich anwenden lassen. Wenn sich dann herausstellt, dass ein sehr bewährter General auch nur ein Normal­sterblicher ist, wird dieser drakonisch bestraft. Aus derzeitiger Sicht sieht es nicht danach aus, dass der CIA-Direktor, General David Peatraeus, Staatsgeheimnisse verraten hat.

Nun will eine Kommission herausfinden, ob Petraeus für seine Romanze auf Kosten des Steuerzahlers Privatflugzeuge oder Wohnungen benutzt hat. Der von mir sehr geschätzte amerikanische Fernsehprediger (CNN) Father Pat Robertson hat sinngemäß die nun weltweit bekannt gemachte Affäre mit den Worten kommentiert: „Der Mann ist sehr lange in einem fremden Land. Er ist einsam – und da kommt diese gut ausschauende Frau […]. Er ist ein Mann.“ Petraeus, das strategische Genie, wurde durch öffentlichen Voyeurismus vom Denkmalsockel gestürzt und entzaubert. Das ist eben die öffentliche Scheinheiligkeit der sogenannten Aufdecker. Eine Scheinheiligkeit, deren Ausmaß kaum überbietbar ist. Nicht einmal von der Hörbranzer Faschingsprinzessin und ihren Büttenredner(inne)n, die sich anlässlich des Faschingsbeginns das (Un-)Recht herausnehmen, andere Menschen öffentlich zu beurteilen und zum Gespött zu machen. Nobody ist perfect; auch ich nicht.

Xaver Hagspiel, Leonhardstrasse 44, Hörbranz