Wirtschafts­kammer fordert Gesamtschule

Leserbriefe / 23.11.2012 • 20:38 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Nach nunmehr 28 Jahren Tätigkeit an einer Polytechnischen Schule, heute eine Art „unbemerkter“ Gesamtschule, besucht von sehr schwachen bis sehr guten Schüler(inne)n (von Schulversagen bis späterem Studium ist alles dabei), lässt die aktuelle Bildungsdiskussion folgenden Eindruck entstehen: Österreichs „Bildungsexperten“ – ernannte und selbsternannte – richten ihre Energie seit Jahren ausschließlich auf das Krankreden des bestehenden Schulsystems, kaum mehr auf konkrete Verbesserungen. Wieder einmal werden bildungspolitische „Wunderkerzen“ abgebrannt, Gesamt- und Ganztagsschule werden im aktuellen Wunschpaket der Wirtschaftskammer als „Erleuchtungsschleuse“ verkauft, wo dank umfassender Förderung am Ende wohl ein Studium für alle möglich zu werden scheint. Dies hat Schule nun zu „liefern“, ohne Zusatzkosten, ohne Zutun der Eltern. Aber: Von den 168 Stunden einer Woche sind die Kinder 30 bis 35 davon im Schulbetrieb. Weil Schüler nicht selten ohne Frühstück, unausgeschlafen, ohne Schulsachen, dafür aber mit „spezieller“ Erziehung in die Schule kommen (siehe Vortrag Dr. Winterhoff am 7. 11. 2012 in Rankweil), bestehen heute andere Prioritäten – in allen Schultypen. Die „neue“ Schule muss also eine Wunderschule sein, um nun alle Defizite „wegzufördern“ und auszugleichen, was während der restlichen Zeit passiert bzw. verbrochen wird. Forderungen an die Eltern sind nirgendwo nachzulesen. Leider: Wenn Politik dies noch aktiv unterstützt und von seinen Bürgern nichts mehr erwartet, dann hat sich ein Staat in meinen Augen selbst aufgegeben.

Herwig Orgler, Dr.-A.-Heinzle-Straße 17, Götzis