Lehrer-Veto: Schein und Sein

Leserbriefe / 06.12.2012 • 21:13 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Man kennt das schon: Unterrichtsministerin Schmied geht mit einer unausgegorenen Forderung an die Öffentlichkeit (aktuell: bundesweit verpflichtende Ganztagsschule in verschränkter Form), erntet Widerspruch vom Koalitionspartner, beginnt daraufhin wild um sich zu schlagen (aktuell: Entzug des Mitbestimmungsrechts für Lehrer) und muss schlussendlich klein beigeben (aktuell: Ganztagsschule bleibt für Eltern frei wählbar, kein Entzug der Mitbestimmungsrechte für Lehrer). Allseits bekannt auch die mediale Antwort auf die Frage nach dem Schuldigen für den wiederholten Misserfolg der Frau Unterrichtsministerin: natürlich die Lehrer! Sie hätten ein Veto gegen die verpflichtende und verschränkte Form der Ganztagsschule und würden wieder einmal blockieren, so die verbreitete Meinung. Zu dumm nur, dass selbst dem an sich stets gut vorbereiteten Armin Wolf im ZIB2-Interview mit Lehrergewerkschafter Paul Kimberger kein einziges Beispiel einer Blockade der Lehrer bei der Einführung der Ganztagsschule einfallen wollte. Und auch der Vorsitzende der Wiener Kinderfreunde, als SPÖ-Funktionär sicher kein Freund der Lehrergewerkschaft, musste medial eingestehen, dass ihm kein einziges Beispiel einer Verhinderung der Ganztagsschule durch die Lehrerschaft in Wien bekannt sei.

Mag. Matthias Hofer, Viktoriagasse 3/32, Wien