Selbstverständlich brauchen wir ein Bundesheer!

Leserbriefe / 10.12.2012 • 21:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Kommentar von Johannes Huber, wonach Österreich kein Bundesheer mehr brauche, überrascht und enttäuscht. Überrascht, weil Johannes Huber als seriöser ­
Journalist bekannt ist, selbstbewusst schreibt und keineswegs dem Boulevard gefallen will. Enttäuscht, weil seine Rückschlüsse doch geringe sicherheitspolitische Recherche beweisen. Ein militärischer Angriff aus Europa auf Österreich ist mittel- und langfristig unwahrscheinlich, ist auch nicht mehr das Thema der österreichischen Landesverteidigung. Wer behauptet, dass das Bundesheer ausschließlich zur „Panzerschlacht im Marchfeld“ ausgerichtet ist, sagt bewusst die Unwahrheit.

Wer einen Mobilmachungsrahmen von 55.000 Soldaten als „Massenheer“ bezeichnet, beweist seine Entfernung vom Thema. Wer die europäische Entwicklung im Sicherheitsbereich aufmerk­sam verfolgt, erkennt keine Möglichkeit einer „EU-Truppe“. Warum auch, die meisten EU-Mitglieder sind auch Mitglied der NATO, multinationale Einsätze der UNO oder der EU werden von den EU-Mitgliedern oder anderen Staaten nach souveränen Entscheidungen gebildet und durchgeführt (siehe Tschad). Kein EU-Mitglied ist derzeit in der Lage, für den Aufbau einer eigenen militärischen Struktur der EU auch nur einen Euro zu zahlen. Der Kommentar negiert den für Österreich so wichtigen Katastrophenschutz durch das Bundesheer. Diese wichtige Aufgabe des Bundesheers geht mit „ein paar Tausend Mann“ nicht. Die Volksbefragung ist keine „Geschmacksfrage“, sondern wichtig. Wir brauchen das Bundesheer mit Wehrpflicht, weil damit Österreich das kostengünstigste Sicherheits- und Sozialsystem hat und weil es professionell wirksam ist.

Gottfried Schröckenfuchs, Militärkommandant a. D., Brachsenweg 58, Bregenz