Ungeklärte Fragen zur Gesamtschule

Leserbriefe / 10.12.2012 • 21:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Erfahrene Lehrerinnen und Lehrer erlebten Schulreformen bislang nur als Kürzungen.
Erfahrene Lehrerinnen und Lehrer erlebten Schulreformen bislang nur als Kürzungen.

Das Erstaunlichste an der aktuellen Bildungsdiskussion ist vor allem folgende Tatsache: Zusammen mit den Forderungen nach Gesamt- und Ganztagsschule erscheinen plötzlich überreichlich Ressourcen verfügbar zu sein, die man dem jetzigen Schulsystem über Jahre verweigert hat. Denn Lehrerinnen und Lehrer, die schon länger im Schuldienst tätig sind, erlebten Schulreformen mehr oder weniger nur als Kürzungen und Einsparungen. Interessant, dass keine der aktuell hyperaktiven Institutionen damals mit jener Intensität gegen diese Einsparungen protestiert hat, mit der jetzt ultimativ und ohne Rücksicht auf Bezahlbarkeit Reformen eingefordert werden. Geldmittel scheinen nun ohne Ende vorhanden zu sein, von Lehrermangel auch keine Spur mehr, Betreuungskräfte stehen offenbar schon Schlange vor den Schulen, von Kosten für erforderliche Verwaltungsumstrukturierungen ganz zu schweigen. Gemeinden dürfen nach Aufhebung der Schulsprengel ihre Schulbauten wohl auf Verdacht hinstellen – könnte ja sein, dass einige Eltern diese Schulen für zwei Jahre attraktiv finden, bevor dann das nächste, nun als mega-hip geltende Schulhaus im Nachbarort angesteuert wird. „Alle Studien belegen die Wirksamkeit der Gesamtschule“, so Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen. Oder belegen sie allein die Wirksamkeit der für diesen Schultyp plötzlich aufgebrachten Ressourcen?

Herwig Orgler, Dr.-A.-Heinzle-straße 17, Götzis