Ägypten brennt!

Leserbriefe / 19.08.2013 • 18:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Ägypten brennt: Soldaten und Muslimbrüder liefern sich im ganzen Land Gefechte. foto: ap
Ägypten brennt: Soldaten und Muslimbrüder liefern sich im ganzen Land Gefechte. foto: ap

In Ägypten gibt es einen ständigen Wechsel zwischen Euphorie und Gewalt. Viele westlich und säkular gesinnte Demonstranten, die im Februar 2011 den Diktator Husni Mubarak gestürzt hatten, hofften, dass selbst unter einem Islamisten eine Demokratie entstehen könne. Doch Islamismus und westliche Demokratie sind zwei Paar Schuhe und schließen einander eigentlich aus. Der abgesetzte Staatspräsident Mohammed Mursi hatte nach einem Jahr nicht nur das Vertrauen verspielt, sondern auch die Unterstützung vieler gläubiger Ägypter(innen). Nun scheint es, als habe die politische Rollenverteilung in Ägypten vollständig gewechselt: Liberale, die einst die Militärdiktatur gestürzt haben, bejahen plötzlich die Zwangsmaßnahmen der Armee und umarmen Elitesoldaten, nachdem diese eine Moschee gestürmt haben. Viele Menschen auf der Straße in Kairo fordern Repressalien gegen die Muslimbrüder und verdammen Mursi. Und auf der anderen Seite rufen die Muslimbrüder zum bewaffneten Widerstand auf, schüchtern ihre Gegner ein, schießen auf Gegendemonstranten, greifen Polizeistationen an und brennen christliche Kirchen nieder. Insgesamt wurden seit Beginn der Ausschreitungen etwa 1000 Menschen getötet, darunter 61 Polizisten. In Teilen von Kairo haben schon bewaffnete Bürgerkomitees das Recht in die eigenen Hände genommen. Kann unter diesen Umständen wirklich noch eine Demokratie entstehen?

Kurt Gärtner,

Billrothstraße 62, 4600 Wels