Kalte Progression

Leserbriefe / 21.08.2013 • 19:11 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Steuerausgleich: Die kalte Progression sorgt für eine steigende Belastung und ist damit in die Diskussion geraten. Foto: VN/Paulitsch
Steuerausgleich: Die kalte Progression sorgt für eine steigende Belastung und ist damit in die Diskussion geraten. Foto: VN/Paulitsch

In den VN vom 21. August werden vom Stellvertretenden Chefredakteur Johannes Huber Betrachtungen über die plötzliche Steuerpflicht bei geringfügigem Einkommenszuwachs angestellt. So soll bei einem monatlichen Einkommen von 1050 Euro keine Lohnsteuer fällig sein, bei einem Cent mehr hingegen müssen 71,08 Euro bei einem Angestellten bezahlt werden. Diese Zahlen sind tatsächlich korrekt, wovon man sich bei http://onlinerechner.haude.at/bmf/brutto-netto-rechner.html überzeugen kann. Zur Steigerung der Dramatik wird allerdings darauf verzichtet, anzugeben, dass es sich dabei um den Jahresbetrag handelt, monatlich (14 Mal) sind es also nur 5,08 Euro. Die Steigerung ist übrigens nur auf die Versteuerung des 13. und 14. Monatsgehalts zurückzuführen, die Steuer auf die Monate eins bis zwölf ist weiterhin null. Betrachtet man außerdem die Gesamtabgaben einschließlich der Sozialversicherung, so kommt man von jährlich 2194,36 Euro auf 2265,44 Euro was einer Steigerung von 3,2 Prozent entspricht, auch nicht gerade erschreckend. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, diesen Sprung abzuschaffen, obwohl Einkünfte in dieser Größenordnung hoffentlich nur selten vorkommen. In Zeiten vor einer Wahl kommt es immer wieder vor, dass man eher seltsame Steuerblüten (und sonstige Unannehmlichkeiten) nicht allumfassend wie oben, sondern lückenhaft so darstellt, dass sie möglichst dramatisch im Sinne der politische Einstellung des Schreibers und der gewünschten Botschaft an die Leser erscheinen.

DI Dr. Bernd Oesterle,

Torggelgasse 13, Hard