„Österreich ist abgesandelt“

Leserbriefe / 23.08.2013 • 18:57 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Österreich sei „abgesandelt“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) und erntet damit auch heftigen Widerspruch. Foto: APA
Österreich sei „abgesandelt“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) und erntet damit auch heftigen Widerspruch. Foto: APA

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl sagte kürzlich im Beisein von Finanzministerin Maria Fekter, Österreich sei abgesandelt. Was meint er damit? Meint er die fleißigen Mittelstandsbetriebe, die unsere Wirtschaft in großen Teilen aufrecht­ erhalten? Meint er die fleißige Bevölkerung, die unter der enormen Steuerlast stöhnt? Meint er die Familien, die gezwungen sind, Kinder zu verstellen, damit beide Elternteile arbeiten können, um normal zu leben? Meint er die ca. 20 Prozent unserer Bevölkerung, die wegen der „Gleichverteilung des Reichtums“ (laut dem „frauenpensionsfreundlichen“ Herrn Karlheinz Kopf) an der Armutsgrenze leben? Oder meint er etwa unsere allmächtigen Politiker, die „moralisch abgesandelt“ sind und deren oberste Maxime Machtgier und Geldgier ist? Die Österreich in der Korruptionsstatistik auf „afrikanisches Niveau” brachten? Die teilweise erst in „Ethikseminaren“ lernen, dass Korruption, stehlen und betrügen verboten sind? Deren „Heldentaten“ seit Jahren unsere Justiz beschäftigen und noch Jahre beschäftigen werden? Deren Überlebensstrategie bedeutet, „niemals den U-Ausschuss als Minderheitenrecht“ zuzulassen? Die Milliarden Steuergelder verschwenden (Selbstdarstellungsbroschüren, Wetten auf Zinsen und Währungen, Staatsaufträge an parteinahe Personen und Firmen)? Die ihre Gehälter selbst erhöhen nach Belieben? Die Sparsamkeit predigen, aber zugleich die höchste Parteienförderung Europas beschließen? Ich denke, Österreich bräuchte zwar keinen arabischen, aber dringend einen „moralischen Frühling“!

Walter Juen,

Auf der Matte 28/5, Bregenz