El-Baradei,

Leserbriefe / 25.08.2013 • 18:40 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

ein verwöhnter „Diplomat“

Er war es als Chef der Atomenergiebehörde IAEO gewohnt, an den weltbesten Tagungsplätzen herumgereicht zu werden. Wie sehr ihn diese Noblesse und sein internationaler Status verformt haben, beweist er derzeit auf erbärmliche Weise im ägyptischen Konflikt. Daran kann auch sein Friedensnobelpreis nichts verbessern. Er wirkte schon bei der Absetzung Mubaraks im Hintergrund mit, gründete eine eigene Partei (Verfassungspartei), kooperierte zuletzt intensiv mit der neuen politischen Führung bzw. dem Militärrat „post Mursi“ und nahm sogar das Amt des Vizepräsidenten an. Diese Aufgabe am ägyptischen Volk in dieser schweren Zeit schon nach einem Monat wieder hinzuschmeißen, zeigt den wahren Charakter des politischen Diplomaten el-Baradei. Versteckt hinter dem Argument, schwierige Entscheidungen wie die Räumung von Protestplätzen nicht mittragen zu können, desertiert er. Statt sein exzellentes, weltweites Netzwerk für Kontakte und den Demokratieaufbau vor Ort einzusetzen, tritt er zurück, verlässt fluchtartig sein Land, um sich die dramatischen Entwicklungen aus der sicheren Entfernung in seiner Wiener Luxuswohnung anzusehen. Er hat die noch junge Demokratiebewegung und die neue Übergangsregierung damit erneut bitter enttäuscht und wurde nun sogar in Abwesenheit wegen „Verrats des in ihn gesetzten Vertrauens“ angeklagt. Er wird sich wohl nie mehr in Ägypten blicken lassen, denke ich. Man kann ihm nur raten, seinen Friedensnobelpreis zurückzugeben.

Franz Wölfler,

Mozartstrasse 11, Dornbirn