Keine Panik­ ­unter den ­Sucht­experten

Leserbriefe / 27.08.2013 • 17:35 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Darstellung der Drogenersatzbehandlung im VN-Artikel vom 22. 8. 2013 muss ich als zuständiger Referent der Vorarlberger Ärztekammer entschieden widersprechen. In Wirklichkeit können leider nur 10 % aller Suchtkranken durch Hilfsangebote eine anhaltende Abstinenz erreichen. 90 % werden rückfällig, ein Teil davon verstirbt an den Folgen der Sucht. Abstinenzorientierte Therapieangebote sind sinnvoll, erreichen aber nur einen verschwindend geringen Prozentsatz der Betroffenen. Mit der Ersatzdrogenthera­pie können wesentlich mehr Suchtkranke behandelt werden. Diese Therapieform wird heute weltweit überwiegend als Langzeitbehandlung einer chronischen Erkrankung verstanden und ist eine seit Jahrzehnten etablierte Therapieform. Wie bei der Zuckerkrankheit ist auch bei der Drogenabhängigkeit nicht zu erwarten, dass nach einer mehrmonatigen Einnahme von Medikamenten bereits eine Heilung eingetreten ist. So wie Diabetiker oftmals ein Leben lang ihre Medikamente nehmen müssen, sind auch Opiat­abhängige oftmals ein Leben lang auf unterstützende Medikation angewiesen. Entscheidend ist wie bei allen Krankheiten die Wahl des geeigneten Medikaments für den einzelnen Menschen. Neben Methadon sind in verschiedenen europäischen Ländern auch Morphine zur Substitutionsbehandlung zugelassen.

Der Anteil der Morphinverschreibungen in Vorarlberg beträgt lediglich 16 %. 84 % der Betroffenen erhalten andere Medikamente. In anderen Bundesländern beträgt der Anteil der Morphine mehr als 60 %. Die Situation der Behandlung in Vorarlberg gibt somit überhaupt keinen Anlass für einen „Hilfeschrei“.

Dr. Franz Riedl, Referat für Substitutionsfragen,

Ärztekammer für Vorarlberg, Montfortstraße 3/2, Bregenz