Armut ist nicht ­immer weiblich!

Leserbriefe / 11.10.2013 • 20:33 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Armut ist also „weiblich“? Eine ganze Schar von Wohltätern, von der Sozial­landesrätin abwärts, will sich nur um weibliche Armut kümmern. Männliche Armut wird weiterhin erfolgreich ignoriert.

Doch die Realität in der Anlaufstelle „Männerservice“ zeigt ein anderes Gesicht: Fleißige Männer, die sich hochgearbeitet haben, werden um den Großteil ihres Verdienstes gebracht, unverhältnismäßig, zu Unrecht. Wer glauben machen will, alle Alleinerziehenden nagten am Hungertuch, soll sich bitte eine andere Realität ansehen: Vom Manager, der übermäßig zahlt, doch sich nicht einmal mehr einen Skitag mit den Kindern leisten kann.

Vom „gutverdienenden“ Nachtarbeiter mit neuer Familie, den die Ex ausnimmt und meint, sie allein sei schließlich die „arme ­Alleinerziehende“. Von der Ex mit einem Nettohaushaltseinkommen­ von über 6000 Euro monatlich, die den stets pünktlich zahlenden Vater ihrer Kinder 5740 nachzahlen lässt, einfach weil noch mehr zu holen gewesen wäre. Von einer Mutter, die ihren Ex-Mann jahrelang für sein behindertes Kind zahlen lässt, doch dieses Geld dem eigenen Kind nachweislich vorenthält. Von Zahlvätern, die unter (!) das Existenzminimum gepfändet werden. Sie alle dürfen wir trösten: Statistisch sind sie nämlich „reich“, denn die Armut ist ja, wie wir jetzt wissen, weiblich.

Carin Breuß,
Felchenstraße 6, Bregenz

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