Lampedusa

Leserbriefe / 15.10.2013 • 19:12 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die 300 Toten vor Lampedusa sind kein Fehler im System EU. Diese Toten sind gewollt.

Sie dienen der Abschreckung. Niemand soll probieren, die Festung Europa auf eigene Faust zu betreten. Es ist düster geworden im „christlichen Abendland“. Die Fackel der Vernunft ist verloschen. Das Einzige, das noch Licht spendet, ist der Glaube an den Kapitalismus. Doch die Kerze dieses Glaubens ist schon tief herabgebrannt. Im Flackern des Neoliberalismus offenbaren sich nur mehr die Schatten unserer Gier. Unser Reichtum nährt sich am Blut der Menschen der südlichen Hemisphäre. Und dieses Blut schreit zum Himmel, so wie das Blut des Abel zum Himmel geschrieen hat. Und genau wie Kain reagieren auch wir und fragen: „Bin ich denn verantwortlich für meinen Bruder?“ (Wörtlich: Bin ich meines Bruders Hüter?) Die Antwort kann nur

lauten: Ja! Ja! Und nochmals: Ja! Geschätzte 25.000 Menschen starben seit Gründung der EU an ihren Außengrenzen. 25.000 Tote, die uns anklagen, dich und mich, weil wir von diesem System­ profitieren und nichts gegen die Unmenschlichkeit unternehmen. Für jeden Einzelnen tragen wir Verantwortung. Unsere Unfähigkeit und unser Unwille, unseren unehrlich erworbenen Reichtum mit den Ausgebeuteten zu teilen, reißt diese Welt entzwei.

Ich schäme mich dafür, Europäer zu sein und vom Leid der Welt so schamlos zu profitieren. Es wird Zeit, aufzustehen, sich zu empören und das Goldene Kalb Kapitalismus zu bekämpfen. Mit allen friedlichen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.

Christian Hagen,
Mittriedstrasse 1, Hard

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