Leben danach

Leserbriefe / 24.10.2013 • 18:02 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Lieber Herr Öller, erlauben­ Sie mir – als Philosoph und Psychologe – ein paar Anmerkungen zu Ihrem „Scheinwerfer“-Beitrag vom 19./20. Oktober. Nahtoderfahrungen (NTE) sind zunächst eine psychologische Wirklichkeit des Erlebenden – und besonders eindrücklich ist die starke verändernde Wirkung solcher Erfahrungen im „Leben danach“. Oft wird das bisherige Weltbild völlig auf den Kopf gestellt. Was dabei im Gehirn vor sich geht, ist von eher nebensächlicher Bedeutung, und Herzstillstand ist keineswegs eine Voraussetzung. Kausale Erklärungen, die damit operieren, sind deshalb wenig plausibel.

Dennoch gibt es viele sehr gut dokumentierte Fälle von NTE, bei denen Bewusstseins­prozesse stattfinden, während das Gehirn nachweislich ohne jede Aktivität ist. Allein aus diesem Grund sind die berichteten Experimente mit Ratten (Hirnaktivitäten kurz nach dem Herzstillstand) für das Phänomen der NTE ohne Relevanz. Was bleibt, sind empirische Daten, die die Hypothese stützen, dass Bewusstseinsphänomene nicht unbedingt an ein funktionierendes Gehirn gebunden sind. Die Interpretation dieser Phänomene hängt weitgehend vom weltanschaulichen Hintergrund der Person ab. Das hat jedoch nichts mit „Glauben oder Wissen“ zu tun, denn Hintergrundannahmen entziehen sich dem direkten empirischen Zugriff. Auch der Naturalismus ist eine metaphysische Position, und deren Vertreter haben zunehmend Schwierigkeiten mit manchen gut dokumentierten Phänomenen, nicht nur aus dem Bereich der Nahtoderfahrungen.

Leider erlaubt der Platz kein Eingehen auf Ihren philosophischen „Exkurs“ zur antiken Philosophie und ­Hegel, zu Seele und Geist. Hier findet sich Falsches neben Respektlosem – das schmerzt mein Philosophen-Herz.

Univ.-Doz. Dr. Eckart
Ruschmann, Kornmarkt-
straße 8, Bregenz

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