Ergänzung

Leserbriefe / 29.10.2013 • 20:04 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Lieber Herr Öller, es freut mich, dass Sie (im „Scheinwerfer“ vom 25./26. 10.) anlässlich des 100-jährigen Todestages von Albert Russel Wallace an diesen heute zu Unrecht fast vergessenen großen englischen Biologen erinnern, der unabhängig von Darwin ganz ähnliche Gedanken zur Evolution entwickelt hat und deshalb als Mitbegründer der modernen Evolutionstheorien gilt.

Vermisst habe ich jedoch einen Hinweis darauf, dass Wallace die Darwin’sche Theorie, nach der die Entstehung der Artenvielfalt allein durch Auslese („Selektion“) von zufälligen Mutationsveränderungen zu erklären sei, sehr bald scharf kritisierte und ablehnte.

Wallace kam – aufgrund seiner genauen Naturbeobachtungen – zu dem Schluss, dass nur kleinere Veränderungen innerhalb einer Population durch den Vorgang der natürlichen Auslese erklärt werden können.

Für die Entstehung des Lebens selbst und alle größeren Entwicklungsschritte erschien ihm diese Theorie immer mehr inakzeptabel. Er ging deshalb von organisierenden Wirk-Kräften aus (different degrees of spiritual influx), eine Annahme, die später als „Vitalismus“ (Driesch) oder „Lebensschwungkraft“ (Bergson) wieder aufgenommen wurde. Trotz der massiven Unterdrückung und Diffamierung solcher „alternativer“ Theorien zur neodarwinistischen Evolutionstheorie durch einflussreiche Biologen – vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – gibt es bis in die Gegenwart auch von Biologen wissenschaftlich ernstzunehmende Versuche, Alternativen zum angeblich primären „Wirkprinzip Zufallsmutation“ zu entwickeln. Wallace ist einer ihrer „Ur-Väter“.

Univ.-Doz. Dr. Eckart Ruschmann, Kornmarktstraße 8, Bregenz

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