Theater 2013/14 – Versuch einer
Katharsis

Leserbriefe / 15.06.2014 • 18:25 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Nach langer Zeit besuchte ich wieder das Haus am Kornmarkt. Vor der Leistung der Künstler: Chapeau bas!

Ein Aspekt belastete mich sehr. Die Saison wurde von Gästen bestritten.

Bregenz hatte einst ein Ensemble. Eine Theaterfamilie: Junge wurden aufgebaut, spielten sich frei. Alte spielten sich in den Lebensabend. Sie lebten das ganze Jahr mit ihren Familien in Bregenz. Hatten die Sicherheit eines geschützten Arbeitsplatzes. Wer Schauspieler, die Abend für Abend auf der Bühne stehen, liebt, dem kann es nicht egal sein, warum sie nach sechs bis acht Wochen weggeschickt werden. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen?

Dem Intendanten und seiner Crew traue ich sehr wohl zu, die Kultur eines Ensembles aufleben zu lassen. Die lokale Theaterszene scheint noch immer ein mühseliger Kampf um Theaterstandards und Reputation zu sein. Die Akteure beweisen Abend für Abend: hic Rhodus, hic salta! So haben sie und ihre Familien den Anspruch auf Grundrechte verdient. Ist der Staat ein Mäzen?!

Wenn Sie das nächste Mal bei einer Premierenfeier sich Ihr Lachsbrötchen in den Rachen schieben und mit Champagner nachspülen, denken Sie daran, dass heute Abend Kinder vergeblich auf Vater oder Mutter warten. In drei Wochen kommen sie dann arbeitslos nach Hause. Sie wurden hier entsorgt. Wie heißt die Aktion des Landes nocheinmal: „Kinder in die Mitte“. Wessen Kinder? – Welch ein Hohn, welch eine Heuchelei! – Wer zuschaut, macht mit. Wer schweigt, stimmt zu.

Uwe Kleindinst,

eichenberg 71

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