Regionaler Konflikt führte zum Weltkrieg

Leserbriefe / 10.08.2014 • 17:50 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Die VN berichteten am 28. Juni 2014.
Die VN berichteten am 28. Juni 2014.

Einmal mehr wird in den VN ein verkürztes und einseitiges Narrativ zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges dargeboten. Was war an der Forderung, österreichische Beamte an der Aufklärung des von ­Serbien aus geplanten und vom serbischen Geheimdienst mit Wissen Russlands organisierten Doppelmords von Sarajewo mitwirken zu lassen, so unzumutbar? Als im Fall Kampusch deutsche und amerikanische Kriminalisten österreichische Ermittlungsbehörden kontrollierten, sah niemand die Souveränität Österreichs gefährdet. Das Ziel Russlands war nach seiner Niederlage im russisch-japanischen Krieg eine Ausdehnung nach Westen, welcher Absicht das osmanische Reich und Österreich im Wege standen. Anlässlich des Balkankrieges 1913/14 hat der russische Außenminister Sasonow Serbien noch geraten, sich vorerst mit dem Erreichten „zufriedenzugeben, da Russland derzeit auf einen Krieg noch nicht vorbereitet sei, um dann, wenn die Zeit gekommen sein wird, das österreichische Geschwür aufzuschneiden, welches heute dazu noch nicht so reif ist wie das türkische“. Es stand somit die Existenz der Monarchie auf dem Spiel. Solche Fakten werden gerne unterschlagen, wie auch ausgeblendet wird, dass es ohne die auf eine faktische Kriegserklärung hinausgelaufene russische Generalmobilmachung nur zum dritten Balkankrieg, nie jedoch zum Weltkrieg gekommen wäre.

Dr. Jörg Frey,

Rosa-Michl-Weg 4,
Feldkirch

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