Erste Macht
im Staat

Leserbriefe / 15.08.2014 • 19:40 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Europas Staatsphilosophie ist seit der Antike beherrscht von der Frage, wie man das Aufkommen ungesunder Machtfülle oder gar einer Tyrannei verhindern könne. Auch demokratische Staatsformen wurden diesbezüg­lich nie als ungefährdet eingestuft. Das Augenmerk richtete sich nicht nur auf die offiziellen Staatsorgane, sondern auch auf die reale Machtverteilung unterhalb der Staatsspitze. Im 20. Jahrhundert kam zu den drei klassischen Gewalten die vierte Gewalt der Medien hinzu, die mit ihren unbeschränkten Einflussmöglichkeiten das Staatsgefüge auf den Kopf stellen können. Ob sie ein fruchtbares Element der Meinungsfreiheit darstellen oder zu einem manipulierenden Faktor verkommen, hängt von ihrem Niveau ab. Derzeit regiert am ganzen Kontinent ein machtbesessener Quotenjournalismus, der die allzeit leicht hyste­risierbare Gesellschaft aufwiegelt oder zumindest ständig emotionalisiert, mit billigen Rezepten in Bann hält und letztlich selbst Politik betreibt. Um konkret zu werden: Ich wünsche den Politikern aller Fraktionen im Landtagswahlkampf den Mut, sich aus der Medienhaft zu befreien und das zu vertreten, wovon sie innerlich überzeugt sind, anstatt sich von Monopolmedien vor sich hertreiben zu lassen. Sie werden sehen, es wird von Stamm- und Wechselwählern honoriert. Gleichzeitig leisten sie einen staatstragenden Beitrag, um die mediale Gewalt von Platz eins wieder auf Rang vier zu verweisen, wo sie hingehört.

Gerald Grahammer,

Gärtnerstraße 1, Lustenau

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