Kirchenkrise

Leserbriefe / 22.08.2014 • 19:17 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Dank für die schriftlichen und mündlichen Äußerungen des Einverständnisses mit meinem vorausgehenden Leserbrief. Da es um positive Kritik geht, schlage ich „Respekt“ vor. Kann irgendeine Institution gedeihen, deren von oben erlassene Regeln auf breiter Basis missachtet werden? Wie steht es also – vom Sonntagsgebot einmal abgesehen – mit der vom Papst verbotenen Empfängnisverhütung oder dem die Geistlichkeit selbst betreffenden Zölibat? Warum sind in den USA die Kirchen (auch die katholischen) noch voll, obwohl (oder vielleicht gerade weil?) die Geistlichen nicht davor zurückscheuen, auf einen Feiertag als kirchlich „geboten“ hinzuweisen. Apropos Amerika: Wie in dem akribisch recherchierten Roman „Amazonas“ von Alfred Döblin nachgewiesen, bedauert der erste Bischof von Südamerika namens LasCasas vor seinem Tod die von den auf den Fersen der conquistadores folgenden Missionaren vorgenommene Zwangskonvertierung ganzer Indianervölker und bekennt, dass er, wäre er noch jung, nach Europa gehen würde, um die hiesigen Neuheiden zu missionieren. Ob der 2013 aus Südamerika berufene
Bischof von Rom die Botschaft seines Vorgängers vernommen hat? Wenn ja, wird er seinen Worten entsprechende Taten folgen lassen, das heißt die Zukunft der
Kirche nicht auf eine Minderheit von weißen Häuptern und die Mehrheit von noch ihren Beitrag zahlende Karteileichen setzen, sondern auf den Respekt breiter Volksschichten; dazu braucht es Regeln, die keiner fragwürdigen „Akkulturation“ unterliegen, oder sie gehören abgeschafft.

Helmut Franz Pfanner,
Hofackerstraße 3, Lochau

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