Bildungskonzept der IV – Vorbild DDR?

Leserbriefe / 24.11.2014 • 20:20 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Pünktlich zum 25. Jubiläum des Zerfalls der DDR feiert deren Schulsystem, reaktiviert durch die Industriel-lenvereinigung (IV), eine Wiederauferstehung. Endlich auch aus der IV-Ecke eine „bildungspolitische Blähung“, wobei die Finanzierung völlig ungeklärt ist. Der Leitgedanke: Kinder schon ab einem Alter von vier Jahren als Zwangsmaßnahme weg von den Eltern, hinein in Einheitsschulen, die damit zu „neoliberalen pädagogischen Legebatterien“ werden, weil der arbeitsmarkttaugliche Einheitsschüler das Endprodukt sein soll. Ideal dafür: Die Campusschule, die der Selbstverwirklichung mancher Architekten dient, mit der nebenbei Kleinschulen finanzenschonend aufgelöst werden können. Wie der Bildungsexperte Schilcher das sieht: Bestehende Schulen sollen billigst adaptiert werden. Also doch nix mit moderner Schularchitektur! Und mit verpflichtender Ganztagsschule und Vollzeit-Betreuung, bei Bedarf von 7 bis 19 Uhr, reduzieren sich Elternhäuser endgültig zu Nachtquartieren, weil alles andere ausgelagert wurde. Außerschulische Privatunternehmen sollen die penible Einhaltung natürlich von der IV vorgegebener Standards evaluieren und die Lehrerschaft zu Umsetzungs-Lakaien dieser Vorgaben machen. Die Werte des Wahren, Guten und Schönen? Nur noch Schall und Rauch . . . Bei der Lektüre der 28 Seiten, die das Konzept umfasst, sucht man sonst vergeblich nach Neuem. Das Gefühl, alles irgendwo schon einmal gelesen zu haben, wird man einfach nicht los. Das meiste könnte abgeschrieben sein, neu abgemischt und dann mit Pomp und Trara über die Medien ausgeblasen.

Herwig Orgler,
Dr.-A-Heinzlestraße 17,

Götzis