Schöne neue

Leserbriefe / 24.11.2014 • 20:20 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bildungswelt

Das neue Bildungskonzept der IV will u. a. eine verpflichtende Ganztagsgesamtschule für alle. Nicht nur, dass viele Vorschläge das Ende der Wahlfreiheit für Eltern bedeuten würden, das Konzept geht auch von falschen Voraussetzungen aus. Österreich hat kein teures Schulsystem: Nur 3,6 % des BIP geben wir für Bildung aus, in Finnland sind es 4,1 %, in Norwegen 4,9 %. Österreich hat kein ineffizientes Schulsystem: Gymnasien, Haupt- und Mittelschulen gelingt es, zwischen dem zehnten und 14. Lebensjahr Bildungsdefizite deutlich zu reduzieren. Bildung kann nicht nur an PISA-Testergebnissen gemessen werden, sondern es geht auch darum, wie Jugendliche für ihren Einstieg in die Berufswelt vorbereitet werden. Ein Gradmesser dafür ist sicherlich die Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt. In den von der IV so hochgelobten Staaten wie Finnland und Polen betrug im September 2014 die Jugendarbeitslosigkeit 19,8 % bzw. 22,6 %. Österreich mit seinem differenzierten Bildungssystem weist hingegen eine Quote von 9,1 % auf und ist damit auch weit unter dem EU-Schnitt von 21,6% (Quelle: www.dnet.at/elis/Tabellen/arbeitsmarkt/aminter_ALQJugendinter_Monat.pdf). Woran orientiert sich die IV, wenn sie die Gesamtschule fordert? „Die Gesamtschule ist das spätkapitalistisch adäquate Industriebildungsmodell mit Elitenbildung über sündteure Privatschulen“ (nach A. Schirlbauer). Wollen wir solche Entwicklungen für Österreich? Gute Bildung sollte weiterhin in der Verantwortung der öffentlichen Hand bleiben, um Chancengleichheit und soziale Mobilität in Österreich zu ermöglichen.

Mag. Michaela Germann,

ÖPU Vorarlberg,

Kapellenstraße 6, Lauterach