Und wo bleibt
die Wahrheit?

Leserbriefe / 01.01.2015 • 19:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Es riecht nach Immanuel Kant, wenn Andreas Feiertag in seinem Kommentar vom 30. 12. 2014 in den VN schreibt: „Der ontologischen Wahrheit können wir uns nicht nähern.“ Er beruft sich dabei auf das Höhlengleichnis Platons. Eine Gruppe von Menschen sitzt in einer Höhle und kann nur die flackernden Schatten erkennen, nicht aber die ganze Wirklichkeit. Wenn man sie zwänge, in das Licht zu schauen, dann würden ihre Augen schmerzen (Politeia, 515e). Richtig ist, dass durch den Abfall von Gott der menschliche Verstand verdunkelt, der freie Wille geschwächt und das Gefühl der Mitmenschlichkeit erkaltet ist. Trotzdem können nach dem 1. und 2. vat. Konzil die Wahrheit und Gott aus den Spuren der Schöpfung dank der Erleuchtung von oben erkannt werden. Christus, die Wahrheit, erscheint mit abgeblendetem Licht, damit wir nicht vor dem Glanz Gottes erschrecken. „Israel hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keinen Verstand.“ Damals wie heute bleiben „Herodes und ganz Jerusalem mit ihm“ verblendet und verstockt. In mittelalterlichen Darstellungen bekommen Ochs und Esel, die der Prophet Jesaias neben den Futtertrog stellt, menschliche Gesichter. Es gehen ihnen die Augen auf für die Wahrheit Christi, die jeden Menschen erleuchtet.

Pfarrer Eberhard Amann,

St. Gallenkirch, Gortipohl, Gargellen