Stacheldraht­geschütztes ­Christentum

Leserbriefe / 29.09.2015 • 18:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Jahrzehntelang hat die radikale und antichristliche Ideologie des Kommunismus unsere osteuropäischen Nachbarn mit Stacheldrahtzäunen und Wachtürmen von der offenen und angeblich christlichen Welt des Westens abgeschottet. Ein weiser Philosoph prägte damals den Satz: Eine Ideologie, die durch Stachel­draht geschützt werden muss, wird nicht überleben. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich diese Aussage bewahrheitet. Wenn heute im Gegenzug sogenannte wehrhafte Christen meinen, die Werte des christlichen Abendlandes wiederum mit Stacheldrahtzäunen schützen zu müssen, so werden sie mit ihrer Auffassung ebenso scheitern wie einst die antichristlichen Kommunisten. Denn die christliche Lehre ist nicht mit Stacheldrahtzäunen zu retten, sondern mit einer überzeugten Umsetzung und Verinnerlichung der christlichen Ursprungswerte – deren größten die christliche Nächstenliebe darstellt – was auch eindeutig biblisch begründet ist. Ich rede nicht einem Asylmissbrauch durch Wirtschaftsflüchtlinge das Wort. Aber wenn Staatsautoritäten bejahen, dass mit Tränengas und Wasserwerfern gegen wehrlose Kinder und schwangere Frauen vorgegangen wird (die sowieso schon im Dreck vegetieren) um das „christliche Abendland“ vor ihnen zu schützen, dann wäre das nicht mehr mein Christentum.

Hugo Waldner,

Freien 58, Egg