Morgen essen
wir Otto

04.10.2015 • 16:48 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Auf einer beschaulichen Alpe leben zwei (!) Schweine. Ihnen geht es gut, sie haben Futter, Auslauf und fürsorgliche Besitzer, welche die Schweine regelmäßig sogar streicheln und mit ihnen reden. Eines dieser Schweine heißt Otto. Otto fühlt sich sauwohl.

Ottos Besitzer erhalten dafür, dass sie so gut mit Otto und seinem Kumpel umgehen, einen Tierschutzpreis. Otto ist das egal, bzw. würde er sich vermutlich freuen, wenn er es wüsste. Was Otto nicht weiß: Er wird voraussichtlich seinen ersten Geburtstag nicht erleben. Seine Besitzer werden ihn töten und essen. Otto und sein Kumpel könnten gut und gerne 15 Jahre alt werden. Aber wir alle finden es anscheinend in Ordnung, Otto bald zu töten. Dafür, dass er und ein weiteres Schwein es vor der Tötung schön hatten, gab’s sogar besagten Preis! Alle klatschten für diesen Preis, dass ein Hausschwein bei Erreichen des Schlachtgewichtes getötet wird. Das ist normal. Das Schlachthaus Dornbirn kann, bei Vollbe­trieb, 50 Schweine pro Stunde töten. „Ohne Tierwohl geht’s nicht“, hieß es bei der Tierschutzpreisverleihung. Hunderte Katzen- und Hundebesitzer in Vorarlberg halten ihre Tiere ebenso liebevoll, wie Otto gehalten wird. Der Unterschied ist, dass diese an Altersschwäche sterben dürfen und nicht im Teenageralter gegessen werden. Ob Otto Gefühle hat wie Hunde und Katzen? Vermutlich nicht, denn sonst würde man ihn leben lassen.

Rudi Dür,
Am Stein 52, Bregenz