Was gehört zur Bildung . . .

11.10.2015 • 16:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Im Gespräch mit studierenden jungen Leuten kann man ein gründliches Defizit an Wissen über die Grundverfassung unserer christlichen Kultur bemerken: die Heilige Schrift des Neuen Testaments. Aber nicht nur das. Es taucht da regelrecht ein Ressentiment auf, wenn man auch nur das Wort „christlich“ nennt. Und wenn du riskierst, von der „christlichen Kultur“ als Fundament einer europäischen Humanität zu reden, wird das sofort eingeebnet und neutralisiert auf „bloß verschiedene Kulturen“.

Dieser betonte Neutralismus zeugt von einer ziemlichen Ahnungslosigkeit, was die tiefen Unterschiede der Kulturen und ihrer Gründungsschriften und -gestalten angeht. Als ob eine Hochschätzung dieser europäischen Kultur eine unkorrekte Selbsterhöhung sei. Nein, die jungen Leute brauchen nicht religiös zu sein, aber ein intellektuelles und ethisches Interesse an der Heiligen Schrift des Neuen Testaments ist ein absolutes Muss, allein schon ihres Kerns, der Bergpredigt.

Wenn dieses Wissen nicht zum Bildungskanon der jungen studierenden Generation gehört, sind alle Bildungsdebatten wörtlich bodenlos. Und wenn schon Moslems ihren Propheten so verehren, gebührt dem „Propheten von Nazareth“ – ich trau es mich sagen – eine noch weit höhere Verehrung: Nicht mit Geschrei, sondern in der stillen Nachfolge seines Vorbilds.
Peter mathei,
hof 1, alberschwende