Gehobene Sprache bleibt Nachwuchs verschlossen

Leserbriefe / 16.10.2015 • 19:18 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Ausgangsleistungen unserer Schüler im breiten Durchschnitt sind von Jahr zu Jahr niedriger anzusetzen, da bekanntlich das Lesen zugunsten elektronischer Unterhaltung stark eingebüßt hat. Damit einhergehend schwindet auch die Fähigkeit, Situationen, Zustände oder stoffliche Beschaffenheit in Worten auszudrücken. Es leidet auch das Verständnis für die Klassiker oder älteren Schriftsteller bzw. Denker, ganz zu schweigen von den immer fremder erscheinenden Wendungen guter Literatursprache. Die vielfältige Verfügbarkeit und einfache Zugänglichkeit von Bildern mittels des weltweiten Datennetzes hat zu einer Verknappung und Kürzung der üblichen zwischenmenschlichen Ausdrucksweise zulasten einer präzise beschreibenden Sprache geführt. Aus dem Schülerblickwinkel ist zu erleben, dass klassische Sprache in immer weiter abgehobene, unerreichbare Sphären entschwindet. Sie verliert sehr schnell an Vertrautheit. Viele Lehrer haben die unterrichtliche Aneignung unserer klassischen Literaturwerke immer weiter zurückgestellt, weil deren anspruchsvollere Ausdrucksweise und der Verlust der Vertrautheit es schwierig machen, sie überhaupt noch zu vermitteln. Statt sich mühevoll mit Goethe, Schiller oder Grillparzer u.a. auseinanderzusetzen, schlagen so manche einen viel einfacheren Weg ein. Befremdlich ist auch die immer mehr einem Dammbruch gleichende Schwemme an englischen Wörtern. Mehr Verzicht auf Anglizismen innerhalb der deutschen Sprache wäre ebenso wünschenswert.

Werner Giacomuzzi,

Lochau, Am Hoferfeld