Roma – Ohnmacht der Gesellschaft

Leserbriefe / 22.10.2015 • 18:58 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

„Man liebt einen anderen nicht, wenn man nichts von ihm annimmt.“ Die Situation der Roma in Dornbirn seit dem Sommer 2015 war so, dass sie von vielen als Fremdkörper angesehen wurden. Nomaden ohne Besitz, ohne Arbeit, ohne Einkommen, ohne Ausbildung, ohne Sauberkeit, ohne Zeitgefühl. Sie können im Wald leben und ihren kollektiven Zusammenhalt genießen. Diese Art des Lebens brachte ein Gefühl der Unsicherheit. Wie können wir mit solchen Menschen leben, die unseren Lebenssinn in Frage stellen.

Diese Menschen stören unsere Lebensideologie. Meine Frage ist, was tun wir, wenn Menschen unsere Lebenszielsetzungen und Pläne infrage stellen? Unsere Reaktionen zeigen, wie unmenschlich wir manchmal agieren. Abschiebung, Ausrottung, Abkapselung. Es ist Zeit für uns alle, uns noch einmal zu besinnen: Was ist der Mensch? Was ist eigentlich oder überhaupt seine Aufgabe in dieser Welt? Was braucht der Mensch?

Die Anwesenheit der Roma bei uns gibt uns die Möglichkeit, über diese Fragen nachzudenken.

Mag. Dr. John Okoro e. h., Bischof der Altkatholischen Kirche Österreichs,
Schottenring 17, 1010 Wien