Wohlwollender unterwegs

03.11.2015 • 17:14 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Man kann mit Recht sagen, die konkreten Ergebnisse der Synode seien mager und vage. Aber für viele Kardinäle, Bischöfe und Beobachter(innen) war es eine gute Lebensschule. Ich weise im Folgenden nur auf drei Punkte hin:
1. Als sie spürten, „dass das, was einem Bischof eines Kontinents als normal erscheint, sich für den Bischof eines andern Kontinents beinahe wie ein Skandal darstellen kann“ (Zitat aus der Abschlussrede des Papstes), wurde ihnen klar, dass die weltweite Kirche eine heilsame Dezentralisierung braucht. Bischofskonferenzen und Ortsbischöfe brauchen mehr eigenständige Kompetenzen, Gremien, Ehepaare und Einzelne mehr Eigenverantwortung.
2. Viele haben sich auch das Dauerthema der päpstlichen Ansprachen, dass die Kirche stets eine humane und barmherzige Haltung gegenüber den Menschen und ihrer konkreten Lebenssituation zeigen müsse, zu Herzen genommen. Oberster Grundsatz: Zu helfen versuchen, statt zu verurteilen.
3. Kardinal Schönborn und die von ihm geleitete deutsche Sprachgruppe empfahlen mit einigem Erfolg eine Umkehr der bisherigen Sicht auf Ehe und Familie: Statt traurig und bemängelnd zu fragen, was fehlt in diesem Falle (z. B. bei Ehe ohne Trauschein oder bei nur ­standesamtlich geschlossener Ehe) noch vom Ideal, freudig und anerkennend festzustellen, was vom Ideal schon verwirklicht ist. Eine solche Haltung kann eventuell später zu einem zusätzlichen Schritt in Richtung Ideal ermutigen.

Helmut Rohner,

Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn