Christliches ­Europa?

06.11.2015 • 18:10 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Danke an Herrn Dieter Kuhn für seinen Leserbrief vom ­
5. November. Motiviert von einer tiefen humanen Lebenseinstellung und unterstützt vom klaren Hausverstand hat er darin sehr fundiert seine Anschauung zu den gegenwärtigen Irrläufern unserer Politik, speziell unserer Innnenministerin in Sachen Flüchtlingsproble­matik dargelegt. Viele Menschen glauben, vor den Flüchtlingsströmen Angst haben zu müssen, die meisten Politiker haben Angst vor Wählerstimmenverlusten, wenn sie nicht auf diesen Zug aufspringen. Hier kann man das Sprichwort „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ einfach umdrehen. Denn es werden nur die riesigen Wälder und nicht mehr die einzelnen Bäume gesehen. Menschen wie du und ich, die einfach nur den ganz legitimen Wunsch haben, irgendwo in Frieden und unter menschenwürdigen Bedingungen zu leben. Würden wir das nicht auch wollen? Dasselbe gilt auch für die gegenwärtige Bettlerproblematik. Was stört uns wirklich daran, z. B. in der Dornbirner Marktstraße alle paar Meter einen Menschen, am Boden hockend und die Hand bittend ausgestreckt, zu sehen? Bedrohung geht von denen wohl keine aus. Auch nicht jenen Spaziergängern gegenüber, deren Augen durch den Anblick von Zeltlagern in Flussauen irritiert werden. Ist es nicht eher so, dass es uns stört, weil unserer satten Selbstgefälligkeit ein Spiegel vorgehalten wird? Eine kleine Übung zur Erlangung eines bestimmten Quantums an Einfühlungsvermögen: Sich täglich ein paar Minuten Zeit nehmen, um, wie es Herr Kuhn schreibt, in die Schuhe eines Flüchtlings zu schlüpfen und sich vorzustellen, was man sich an dessen Stelle in derselben Situation wünschen würde.

Dorothee Pohl,

Fischbach 786, Alberschwende