Terror im Namen Gottes?

18.11.2015 • 17:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bei all den gut gemeinten Stellungnahmen zum derzeitigen islamistischen Terror vermisse ich Aussagen, die den Anspruch der Terroristen, im Namen Gottes zu handeln, ernst nehmen und darauf angemessen antworten. Ich versuche es hier als Philosoph. Alles, was wir über Gott wissen, stammt aus den Berichten von Menschen, die behaupten, Gotteserfahrungen gemacht zu haben. Und solche Erfahrungsberichte sprechen fast immer von einer umfassenden Kraft der Liebe. Wie kann man sich dann einen Gott vorstellen, der Menschen dazu ermuntert, Mitmenschen zu töten? Leider ist das islamische Gottesbild recht anfällig für solche Missverständnisse und Projektionen: Gott wird vor allem mit der Qualität der Macht beschrieben, statt Liebe wird eher von gnädiger Barmherzigkeit gesprochen. So werden solch groteske projektive Vorstellungen ermöglicht. Hier ist es gerade die Aufgabe von gläubigen Muslimen, ihr Gottesbild von derartigen Flecken zu reinigen. Die Ursachen dafür liegen im (kriegerischen) Ursprung des Islam selbst und müssen historisch verstanden und überwunden werden. Die Terroristen sind keine Monster, sondern verirrte Gottgläubige, deren großes, aber eigentlich schwaches Ego ein machtgieriges, blutrünstiges, monströses Gottesbild hervorbringt. Die einzige Waffe dagegen ist die (göttliche) Liebe. Doch wie kann man sie einsetzen? Ich beanspruche nicht, darauf eine angemessene Antwort zu haben.

Univ.-Doz. Dr. Eckart
Ruschmann, Rathaus-
straße 37,

Bregenz