Gewalt gegen Kinder ist vielschichtiger

22.11.2015 • 17:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
VN-Interview vom 20. November 2015.
VN-Interview vom 20. November 2015.

Zum Interview mit Frau Kremmel-Bohle „Auch ein Klaps ist Gewalt“, VN vom
20. 11. 2015:

Der berechtigte Hinweis auf den „Klaps“ greift leider viel zu kurz: Gewalt gegen Kinder ist auch z. B. die „Festhaltetherapie“, bei der das Kind nicht geschlagen, sondern „nur“ gehalten wird, bis es sich beruhigt. Auch wenn es in seiner Umklammerung ohnmächtig schreit, bis zur völligen Entkräftung. Gewalt gegen Kinder ist auch Schweigen und Einsperren. Gegen Kinderrechte verstößt ebenso fehlende Erziehung: wenn Kindern keine Grenzen gesetzt werden, wenn sie stundenlang Medien konsumieren, weil es für die Eltern bequem ist. Es ist Gewalt gegen Kinder, wenn ein Kind andere erniedrigt, schlägt, beißt und mit Waffen bedroht.

Auch emotionaler Missbrauch ist Gewalt gegen Kinder. Es ist Gewalt an Kindern, wenn sie im Streit gegen Expartner benutzt werden, wenn sie ein Elternteil vom anderen entfremdet. Und ein Skandal, wenn Schule und Jugendwohlfahrt wegschauen, weil emotionale Gewalt halt schwer zu beweisen ist. Weil mit der Waffe ja nichts passiert ist. Weil das Kind sagt, dass es seinen Elternteil nicht sehen will. Blaue Flecken sieht man, über verletzte Seelen ist offenbar leicht hinwegzusehen? Gewalt gegen Kinder endet erst, wenn Erwachsene ihre Rolle als Eltern auch ausfüllen, wenn es für sie unbequem ist. Wenn sie als (Ex-)Partner kooperativ miteinander umgehen und Kinder als Kinder sehen können.

Markus Becker,
Unterries 12, Dornbirn