Politischer ­Rechenfehler?

22.11.2015 • 17:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ganz nebenbei soll beim aktuellen Bildungsreförmchen (mehr ist es wohl nicht) ein zweites, verpflichtendes Kindergartenjahr eingeführt werden. Seitens der Politik wird dies sehr gelobt und als Heilmittel gegen den Umstand angesehen, dass viele Kinder in der Grundschule mangels schlechter Deutschkenntnisse dem Unterricht nicht folgen können.Dabei scheint aber allen ein Rechenfehler unterlaufen zu sein: Laut Statistik Austria waren bereits 2014 zwischen 91,7 (Kärnten) und 99,8 Prozent (Vorarlberg) der Kinder in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen untergebracht. In Österreich hat sich die Quote damit von 70 auf 95 Prozent erhöht.

Selbst unter der Annahme, dass alle nicht institutionell betreuten Kinder zu den zehn Prozent (Zahl aus Vorarlberg von 2013) derjenigen gehören, die nicht gut genug Deutsch können, scheint es nicht zu genügen, alle Familien dazu zu zwingen, ihre Kinder zwei Jahre in den Kindergarten zu schicken.

Die am 20. November in den 15-Uhr-Nachrichten seitens der zuständigen Ministerin­ erwähnte Möglichkeit, vierjährige Kinder nach drei Monaten bei guten Deutschkenntnissen wieder aus der Kindergartengruppe nehmen zu können, entbehrt jeglichen Verständnisses familiärer und psychologischer Realitäten.

Oliver Lerch,
Burggasse 12/6, Nüziders