Mindestsicherung ist Raum-
planungsthema

Leserbriefe / 20.06.2016 • 18:09 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Aus der nationalen und internationalen Migrationsforschung und aus aktuellen Untersuchungen weiß man: Migrantinnen und anerkannte Flüchtlinge zieht es innerhalb kürzester Zeit in die Städte und Metropolen, weil sie sich dort bessere Lebensbedingungen erhoffen, Hilfe durch ihre gleichsprachigen Communities, Verwandte, Freunde, mehr Chancen auf Arbeit, Wohnen. Dass die Realität in Österreich, was die Armutsgefährdung anlangt, längst gedreht hat, können sie nicht wissen. Die Gefahr, in den Städten zu verarmen, ist deutlich höher als in anderen europäischen Staaten. Wenn nun rechts-regierte Bundesländer in Österreich die Mindestsicherung kürzen, ist mit einer zweiten, verstärkten Landflucht der Flüchtlinge zu rechnen. Dahinter steckt politisches Kalkül: Man lädt bewusst alle Integrationsprobleme der Neuangekommenen den Städten auf. Führende schwarz-blaue Parteistrategen haben dabei Wien im Visier.

Sie wollen die Stadt durch Sozial-Dumping-Politik in die Knie zwingen, die Mindestsicherung auch für die ärmsten österreichischen Einkommensbezieher und Arbeitslosen zu senken, gleichgültig, ob daraus Verarmung, sozialer Abstieg, Verlust an Bildungschancen, sogar Obdachlosigkeit oder soziale Verwahrlosung und Radikalisierung erwachsen. In österreichweiter, gleicher Ausgewogenheit und bestehender Höhe der Mindestsicherung, in der dezentralen Konzeption der Verteilung der Lasten und Chancen durch Neuankommende besteht die einzige sinnvolle Strategie zur Bewältigung der anstehenden Problemlagen. Dezentrale, kleine Einheiten können besser und persönlicher integrieren. Mindestsicherung ist ein österreichisches Raumplanungsthema.

Andreas Postner,
köhlerstraße 25a,

rankweil