Flüchtlinge und Europa

Leserbriefe / 21.06.2016 • 18:34 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Rund 60 Millionen Menschen sind zurzeit in der ganzen Welt auf der Flucht, davon zwei Millionen Asylsuchende, die Hälfte aller Flüchtlinge sind Kinder – eine Katastrophe. Bis auf wenige Staaten hat die EU im vergangenen Jahr kläglich versagt, den ersten Ansturm der Asylsuchenden aufzunehmen. Gewiss kann Europa nicht alle Flüchtlinge aus dem Orient und aus Afrika unterbringen. Aber den Zustrom mit Zäunen und Mauern aufzuhalten, wird nicht gelingen. Die deutsche Kanzlerin Merkel, die vor einem Jahr noch verkündete „Wir schaffen das“ und dabei sicherlich nur die momentane Hilfe für den überraschenden Andrang im Sinn hatte, sagt heute: „Es gibt nur eine Lösung: Wir müssen die Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen.“ Und an den Ursachen hat die reiche, westliche Welt einen niederschmetternden Anteil. Jean Ziegler listet in seinem Buch „Der Hass auf den Westen“ auf, wie der Westen vor allem den afrikanischen Völkern durch Kolonialismus, Sklaverei und Ausbeutung unermesslichen Schaden zugefügt hat und es heute noch durch Unterbieten der Preise von Lebensmitteln tut. Dem europäischen Kontinent bleibt nur die moralische Pflicht, durch tatkräftige Entwicklungshilfe und unerschütterliche Friedensvermittlungen die Schuld aus seiner Vergangenheit zu tilgen, denn „die Zukunft hat eine lange Vergangenheit“ (Talmud).

Alois Schwienbacher,

Kopfstraße 14c,

Altach