Vorurteile zu
Roma-Leben

Leserbriefe / 21.06.2016 • 18:34 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Leserbrief von Helmut Sauermoser vom 16. Juni:

Da Sie, Herr Sauermoser, von 50 Bettlern in Bludenz schreiben, ist anzunehmen, dass Sie dort wegen der vor Geschäften bettelnden Roma nicht vergnügt einkaufen konnten. Das ist jetzt allerdings wegen des Bettelverbots hinfällig.

Sie bemängeln das Betteln mit Säuglingen. Damit haben die Roma, wie jeder Kaufmann, nur versucht, ein höheres Ergebnis zu erzielen. Ihr gutes Recht. Mich hat das nicht gestört. Ich staune nur, welche Strapazen, Entbehrungen und Anfeindungen diese armen Menschen auf sich nehmen, um für sich und ihre Sippe durch die Bettelei das karge Leben zu erleichtern. Die Not dieses Volkes muss sehr groß sein. Ich nehme an, dass Sie, Herr Sauermoser, sich jeden Abend in ihr weiches Bett legen, was diese Roma nicht können, denn sie haben kein Bett. Sie haben kein geregeltes Frühstück, Mittagessen und Abendbrot, meist nicht einmal eine warme Mahlzeit am Tag. Sie sitzen auf nasskalten Steinböden und halten uns einen Pappbecher hin, mit dem sie sich zum Frühstück einen Schluck warmen Kaffee von einem Automaten geholt haben. Diese ungesunde Lebensweise forderte ihren Tribut. Die 46-jährige Bettlerin mit Stammsitz vor der Kirche St. Josef in Rankweil ist schwer erkrankt und war drei Wochen in spitalsärztlicher Behandlung. Ich wünsche, selbst im Zorn, niemandem ein solches Leben.

Martin Frick,

Negrellistraße 5, Rankweil