Militärische Böse, zivile Gute

Leserbriefe / 23.06.2016 • 21:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Rund 31.000 Soldaten aus 24 Nationen nahmen neulich an der Nato-Übung „Anakonda“ in Polen teil. Dieses Militärmanöver wurde von Russland stark kritisiert, und der Ton zwischen Nato und Russland ist rauer geworden. Russland beschuldigt die Nato, eine anti-russische Hysterie zu verbreiten, und die Nato beschuldigt Russland, eine Expansionspolitik zu betreiben.

Ich sehe außerdem ein Phänomen, das in der Öffentlichkeit relativ unbeachtet bleibt. Auf der einen Seite zeigt die Nato ihre scharfen Krallen, auf der anderen Seite verhält sich die EU wie ein zahmes Lamm, sieht man von den umstrittenen Wirtschaftssanktionen gegen Russland ab. Momentan spielt die Nato den „militärischen Bösen“ und die EU den „zivilen Guten“. Diese Rollenverteilung kann ja manchmal von Vorteil sein, aber sie könnte auch bei gefährlichen Krisen in die Hose gehen. Österreich kann sich von dieser Doppelgleisigkeit nicht wegducken, es gehört zur EU, und 1994 ist Österreich der v-Partnerschaft für den Frieden beigetreten. Kaum jemand nimmt hierzulande zur Kenntnis, dass mit dem Lissabonner Vertrag seit 2009 die EU und die Nato eng verbunden sind. Also nicht nur EU-Staaten, die Nato -Mitglieder sind, auch das neutrale Österreich.

Kurt Gärtner,

Billrothstraße 62,

Wels