Zorn führt zu
extremen
Positionen

Leserbriefe / 26.06.2016 • 19:07 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Bericht „Brexit“ und „Nicht-Einigung zu Glyphosat“, VN vom 25. 6. 2016:

Eine sich vom Staat verraten fühlende Bevölkerung wird zornig. Dieser wachsende, legitime Zorn verblendet und führt zu extremen Positionen und Handlungen. Die „Migranten der Vernunft“durchstreifen „demonstrativ“die europäi­schen Straßen mit ihren Transparenten: Nein zu TTIP, CETA, Fracking, Atomkraft, zu Glyphosat etc. Jeder EU-Staat hatte vor Kurzem in Brüssel die Wahl, was Glyphosat betrifft. Österreich enthielt sich der Stimme, sagte demnach „Jein“, dieses schrecklich neutrale Wortgebilde, das weder Fisch noch Vogel bedeutet. Nach Tschernobyl überflutete uns eine Lawine von Kommentaren und frommen Entschlüssen. Ebenso nach Fukushima. Aber die guten Vorsätze machten einen langgezogenen Rückzieher, weil ja das Erinnerungsvermögen mit der Zeit bekanntlich abnimmt. Die Migranten des gesunden Menschenverstandes demonstrieren für morgen, übermorgen, ihre Nachkommen und nicht zuletzt für die Natur schlechthin. Fliehen sie etwa vor dem Brüsseler Wahn? Sie können es nicht. Sie gehen also mutig voran, reagieren und antworten mit den unblutigen Waffen der prospektiven Vernunft. Nun ist Brexit dran, ein Fukushima der Börse. Ein Selbstmord auf lange Sicht? Eher ein Wecker mit riesiger Alarmglocke. Damit sie aufwachen, sollten vielleicht die Brüsseler Angestellten bei einem Weiterbildungsseminar damit beginnen, ihr Frühstück hin und wieder mit gespitzten Ohren in einfachen Kaffeehäusern, ihr Mittagessen in populären Kneipen einzunehmen, Brot und Milch selber einzukaufen und selber zu bezahlen, damit sie mit den Menschen in Kontakt kommen.

Marie-Thérèse Mercanton, Oberer Illrain 33C, Bludenz