Die Kirche und
ihre Zuschauer

Leserbriefe / 18.07.2016 • 18:31 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zuschauer füllen Stadien, Hallen und Sportgelände; sie sitzen vor Fernsehgeräten, schauen aus Fenstern auf die Straße oder werden auf der Straße „Zeugen“ von Ereignissen. Im Alter wird der Mensch durch das Schicksal zum Zuschauer, wenn er sein Leben nicht aktiv gestaltet, das trifft aber auch für den Freizeit-Menschen zu. Der Zuschauer wird zum passiven, manipulierbaren Kultur-Empfänger, wenn er nicht aktiv jeden Tag dagegen angeht. Im Mittelalter mussten die Pfarrer in den örtlichen Kirchen Messen und Andachten gestalten, sie übten Druck aus, um Zuschauer zu haben. Noch in der Zeit zwischen den Weltkriegen waren die liturgischen Schauspiele tägliche Pflichtübung, vor allem von Frauen; bei den Litaneien und Rosenkränzen waren sie einbezogen. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben der Sport und die Sportmedien die kirchlichen Veranstaltungen abgelöst, nur Megaveranstaltungen mit dem Papst können die Medien zu Sondersendungen veranlassen. Die Kosten dieser Veranstaltungen werden von den Staaten und großen Unternehmungen getragen. Der Grund könnte sein: die Funktionäre bevorzugen hierarchische Strukturen, darum zahlen sie; sie zahlen fast drei Viertel der Kosten der kirchlichen Aktivitäten. Ohne diese Zahlungen würde diese Organisation ihre letzten Zuschauer verlieren, aber als gewaltiger Grundbesitzer übrigbleiben. Wie lange schaut man da noch zu?

Josef A. Schmidt,
Am Rain 24/10, Nenzing