Werden
pensio­nierte
Fischer Sozialfälle?

Leserbriefe / 20.07.2016 • 18:16 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Anlässlich meiner Kritik an der Einführung von Alterspatenten für über 70-jährige Berufsfischer (Leserbrief vom 15. 7. 2016) wurde ich darauf hingewiesen, dies sei gleichsam eine soziale Maßnahme zur Absicherung dieses Personenkreises, welcher eben nur bescheidene Alterspensionen beziehe. Ende der 60er- bis Mitte der 80er-Jahre war der Bodensee stark überdüngt. Vom vermehrten Planktonwachstum profitierten vor allem Felchen und Flussbarsche. Damals konnten enorme Fänge erzielt und zu guten Preisen zu fast 100 Prozent in die Schweiz exportiert werden.

Die Berufsfischer sind Mitglieder der Landwirtschaftskammer. Als Landwirte haben die meisten die steuerliche Möglichkeit genutzt, ihr Einkommen nicht im Detail darzulegen, sondern sich auf einer niedrigen Bemessungsgrundlage pauschal besteuern zu lassen. So konnte ein bedeutender Teil der sehr hohen Einkünfte steuerfrei bezogen werden, ebenso niedrig waren die Sozialversicherungsbeiträge. Entgegen dem eindringlichen Rat der Steuerberater wurden auch die Ehegattin­nen, welche regelmäßig im Betrieb mitgearbeitet haben, aus Kostengründen nicht als Dienstnehmerinnen angemeldet. Diese können somit auch keine Alterspension beziehen. Sehr hohen Einkommen von damals stehen mangels Beitragszahlung heute bescheidene Alterspensionen gegenüber. Nunmehr von sozialer Härte oder gar Not zu sprechen, ist in Kenntnis der tatsächlichen Umstände unangemessen. Angesichts der massiven Überfischung des Bodensees sollten Berufsfischer mit Antritt der Alterspension viel mehr ihre Fischereiberechtigung zurücklegen müssen.

RA Dr. Martin Kloser,

Hofsteigstraße 1, Hard