Der alte Bauer
und seine Kuh

Leserbriefe / 21.07.2016 • 18:46 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ich war fünf Jahre in der elterlichen Metzgerei tätig und war keine Stunde gerne Metzger. Meine Eltern meinten nach dem Schulbesuch, dass meine Arbeitskraft gebraucht werde. Vor rund 70 Jahren hatte man wohl keine Wahl und entsprach dem Wunsch der Eltern. Eine Begebenheit in diesem Beruf habe ich in meinem Leben nicht mehr vergessen und das war auch der Grund, dass ich den Beruf nicht mehr ausüben wollte. Ein Bauer lebte als Einsiedler auf einem abgelegenen kleinen Anwesen. Er war 85 Jahre alt und hatte seit vielen Jahren nur noch eine Kuh. Die Kuh war 28 Jahre alt und hatte 18 Kälber gehabt. Mit der Kuh kam der Bauer zur Metzgerei und gab mir bei der Schlachthaustür mit zitternder Hand den Halfterstrick. Ich sah den alten Mann an und bemerkte, wie über seine verrunzelten Wangen Tränen rannen. Der alte Mann und die alte Kuh, die fast drei Jahrzehnte zusammengelebt haben, waren ein Herz und eine Seele. Die Kuh hat ihren Bauer ein Vierteljahrhundert lang mit Milch versorgt. Das Bild vor der Schlachthaustür hat mich so berührt, ich habe es auch nie mehr vergessen. Lassen wir daher bei der Berufsentscheidung die betroffene Jugend mitreden.

Hugo Mayer,

Mühle 700, Egg