Grundeinkommen ohne Arbeit

Leserbriefe / 28.07.2016 • 18:16 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Leserbrief „Missbrauch von Systemen“ von Dr. Rudolf Rudari, VN vom 23. 7. 2016:

Herr Dr. Rudari, Sie kritisieren das Bekenntnis eines Lesers zum „Allgemeinen Grundeinkommen“. Es gibt darüber seriöse Studien und Publikationen von namhaften Ökonomen, die auch dieser Vision anhängen. Den Missbrauch, der Ihnen ins Auge sticht, gibt es seit eh und je, und Kriminalität und Korruption auch zur Genüge, bis in höchste Regierungskreise. Wo liegt also Ihr Problem? Es gibt viele positive Argumente dafür. Beispielsweise könnten sich die Steuerzahler Unsummen für die Administration der Sozialhilfe, Arbeitslosen­unterstützung, etc. ersparen. Armut, Obdachlosigkeit und Verelendung könnten nachhaltig gelindert werden. Der zusätzliche Konsum der Empfänger kurbelt die Wirtschaft an, und über Steuern fließt Geld zurück in die Staatskassen. Alleinerziehende wären nicht mehr zum Geldverdienen verdammt, könnten selber­ ihre Kinder betreuen, wenn sie das wollen und teure Kindereinrichtungen einsparen helfen, usw. Man muss nur endlich den Neidkomplex überwinden, dass man selber voll arbeiten muss für sein Einkommen und andere Menschen Geld ohne Erwerbsarbeit erhalten. Ich erinnere dabei an das biblische Gleichnis vom Weinberg, in dem gleicher Lohn für weniger Leistung bezahlt wird. Börsenspekulanten verdienen Millionen in Sekundenbruchteilen, ohne Gegenleistung wohlgemerkt. Die Angst vor Verarmung, Existensbedrohung und die damit einhergehenden psychischen Probleme vieler Menschen wäre weitgehend gebannt. Es gibt dann keine „Schmarotzer“ mehr, wie sie sagen, wenn für alle ein Rechtsanspruch auf Grundeinkommen besteht, und damit geht auch ihre Befürchtung vom „Missbrauch der Systeme“ ins Leere.

Franz Kogler,
Haldenweg 20,

Bregenz