Alpe lehrt
einfaches Leben

22.08.2016 • 17:57 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wenn ich jetzt im Spätsommer durch die Alpen wandere, auf den Weiden um die Mittagszeit die zufriedenen, wiederkäuenden Rinder sehe, die gepflegten, saftigen Alpwiesen, das gemähte Unkraut, die geschwendeten Erlensträucher und die gesammelten und aufgehäuften Steine wahrnehme, dann weiß ich, dass die harte Arbeit von fleißigen Älplern gemacht wird. Ich denke auch daran, dass die Alpleute nicht die Besitzer der Tiere sind, weil in der Regel die Bauern im Sommer auf dem Heimgut die daheim gebliebenen Kühe versorgen müssen. Meist besuchen die Bauern im Laufe des Sommers die Älpler und schauen zu ihren Tieren. Das Alp­personal auf Galtalpen kommt oft aus verschiedenen handwerklichen Berufen, oder es sind Studenten, die sich das Studium mit dem Alplohn finanzieren. So mancher Älpler braucht auch das Verständnis seines Arbeitgebers, dass er für drei Monate im Sommer freigestellt wird und nach dem Alpabtrieb im Herbst seine Arbeit wieder aufnehmen kann. Eine alte Älplerweisheit sagt: „Einmal Älpler, immer Älpler.“ Dies hat sich wohl bis heute nicht geändert. Eine Zeit lang von Zuhause weg sein, ohne Mobil­telefon, ohne Fernseher und ohne Autokolonnen, und die Natur als Lehrmeister für das einfache Leben annehmen.

Hugo Mayer,

Mühle 700, Egg