Preis für zwei

28.08.2016 • 16:46 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ordensfrauen

In meiner Jugend las ich mit ungeheurem Respekt das Buch über Damian de Veuster (1840–1889), den Priester der Lepra-Insel Molokai. Inzwischen hat Lepra viel von ihrer Ansteckungsgefahr verloren und kann vielfach, bei entsprechender Vorsicht, zu Hause behandelt werden. Doch es gibt sie noch, die Lepra-Inseln. Mein erster ­Bischof in Brasilien, der deutsche Franziskaner Paschasius Rettler, ging nach seiner Emeritierung 1989 auch auf eine solche Insel, obwohl ihm der Staat die Erlaubnis, auf der Insel zu wohnen, nicht geben wollte. In Südkorea, so können wir von der Katholischen Frauenbewegung Österreichs erfahren, gibt es heute noch die Lepra-Insel Sorok, auf der zurzeit noch 539 sehr alte Kranke leben. Zwei Tiroler Ordensfrauen, Marianne Stöger und Margit Pissarek, kamen 1962 nach ihrer Ausbildung zu Krankenschwestern mit 27 bzw. 28 Jahren nach Sorok und fanden unmenschliche Zustände vor, die sie mit viel Einsatz und Ausdauer in einer mehr als 40-jährigen Tätigkeit verbesserten. Sie gaben den gedemütigten, geschlagenen und zu Abtreibungen und Sterilisationen gezwungenen Kranken ihre Menschenwürde wieder. Für diese Leistun­gen erhielten die beiden heute über 80-Jährigen den renommierten „Manhae-Preis für soziales Handeln“ von Südkorea. Ich schließe mich den Glückwünschen für die zwei Christkönigsschwestern an.

Helmut Rohner,

Bahnhofstrasse 18/10, Dornbirn