Flüchtlingspolitik Richtung rechtsaußen

Leserbriefe / 06.10.2016 • 18:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Statt Zäune, Obergrenzen und Restriktionen wäre ein Marshall-Plan notwendig“, kritisiert ein VN-Leser die aktuelle Flüchtlingspolitik. AFP
Statt Zäune, Obergrenzen und Restriktionen wäre ein Marshall-Plan notwendig“, kritisiert ein VN-Leser die aktuelle Flüchtlingspolitik. AFP

Vor zwei Jahren reiste ich nach einem Sprachaufenthalt in Peking zurück. Im Flugzeug sah ich eine sympathische Persönlichkeit, Sebastian Kurz. Im kurzen Gespräch teilte ich ihm mit, dass er das populärste Regierungsmitglied sei. Er meinte, dies könne durchaus ein volatiler Zustand sein. Wie recht er hatte! Inzwischen ist aus meiner Sicht, und auch für viele Österreicher, sein Nimbus im freien Fall abgestürzt. Schon die Ausspähung neuer Grenzzäune in Bulgarien und Mazedonien erinnerte an kommunistische Vorläufer. Dann die Absurdität, in Libyen Flüchtlingslager zu errichten. Diese menschenunwürdigen Einrichtungen im Stile von australischen Internierungslagern lehnte die EU prompt ab. Die Balkanroute ist gesperrt. Abertausende Flüchtlinge ertrinken auf dem lebensgefährlichen Seeweg über das Mittelmeer. Statt Zäunen, Obergrenzen und Restriktionen wäre ein Marshall-Plan notwendig, um die Probleme langfristig zu lösen! Der vorläufige Höhepunkt ist nun die Aufforderung, die menschenverachtende Flüchtlingspolitik Orbans ja nicht zu kritisieren. Er lehnt es ab, die geringe Quote von 1300 Flüchtlingen zu übernehmen. Da stellt sich die Frage nach seinen christlich-abendländischen Werten. Trotz Hasskampagne ist es Orban nicht gelungen, eine qualifizierte Mehrheit zu finden. Die geringe Zahl von Flüchtlingen wäre keineswegs eine Bedrohung, sondern eine Zukunftschance. Was wäre es, wenn Orban und Kurz als Kriegsflüchtlinge vor einem Stacheldrahtzaun stünden?

Hans Rückstätter,

Bahnhofstraße 10, Hohenems