Konfliktzone Wald

Leserbriefe / 18.12.2016 • 17:41 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Leserbrief von DI Thomas Ölz, VN vom 10. 12. 16:

Die Ausführungen von DI Thomas Ölz lassen mich nicht ernsthaft auf Empathie gegenüber Wildtieren schließen. Die heutigen Grundbesitzer haben ihre Wälder, mit nachweislich deutlich höheren Wildbeständen, von ihren Eltern übernommen. In deren Generation gab es noch Akzeptanz für und ­Toleranz gegenüber den Waldbewohnern. Diese in einem begrenzten gemeinsamen Lebensraum notwendigen Tugenden weichen vielerorts einem bedauerlicherweise auch förderungsgetriebenen egoistischen Profitdenken. Laut einem unlängst veröffentlichten Bericht des WWF sind die Bestände aller großen Wildtiere in Europa, und da bildet Vorarlberg wohl keine Ausnahme, innerhalb des letzten Jahrzehnts um mehr als ein Drittel eingebrochen. Stellt man dem die Zahlen des Waldberichts des Landes gegenüber, aus dem klar hervorgeht, dass der Vorarlberger Wald stetig wächst, kann das Gezeter über unnatürlich hohe Wildbestände nur als gezielte Desinformationspolitik einer gut vernetzten Lobby gewertet werden. Wenig hilfreich sind auch Wildfütterungen, welche als Ersatz für die verloren gegangenen Winterlebensräume und dezidiert zur Vermeidung von Wildschäden gesetzlich verankert wurden, in unverantwortlicher Weise mit Trophäenproduktion
gleichzusetzen. DI Ölz negiert dabei die Bedeutung von Altersklasse für das Sozialverhalten und die Weitergabe von Überlebensstrategien. Was Wildfreihaltungen und Schonzeitaufhebungen mit ökologisch im Sinne von naturnah und nachhaltig gemein haben und in welcher Weise das Wild davon profitiert, entzieht sich überhaupt meinem Vorstellungsvermögen.

Dr. Georg Rüscher,

Belruptstraße, Bregenz